Unseren Böden geht es immer schlechter

In der Schweiz steht der Boden unter enormen Druck. Das zeigt ein Bericht des BAFU aus dem Jahr 2017 zum Zustand der Böden. Steigende Stickstoffeinträge durch die intensive Landwirtschaft führen zur Überdüngung und Versauerung der Böden. Der Bau von Strassen, Siedlungen und Wirtschafts- und Industriegebäuden versiegelt pro Sekunde einen halben Quadratmeter Schweizer Boden, oftmals die besten ackerfähigen Kulturlandböden. Klimawandelbedingte Wetterkapriolen wie lange Trockenperioden oder Starkniederschläge und die Übernutzung des Bodens durch die Landwirtschaft geben ihm den Rest: Erosion, also der Verlust von fruchtbarem Boden, oder die Verdichtung der Böden durch schwere Maschinen sind mögliche Folgeschäden. Das Bewusstsein dafür, dass Böden für die Gesellschaft und Umwelt essentielle Leistungen erbringen, ist immer noch gering (siehe Artikel Bodenwissen). In der Politik wird zwar das Thema Boden in Bezug auf Ernährungssicherheit und Kulturlandschutz gross geschrieben; wichtige Leistungen, die das Ökosystem Boden für uns erbringt, wie etwa Wasserspeicherung für Pflanzen und Filtrierung von Trinkwasser oder das Speichern von klimaschädlichem CO2, sind leider noch nicht in den Fokus der Diskussionen geraten. Wird dem Schutz des Bodens nicht schleunigst mehr Rechnung getragen, prognostizieren Forscher (Studie des IPBES), dass 700 Millionen Menschen wegen vertrockneter und ausgelaugter Böden ihre Heimat verlassen werden müssen.

Wie können wir den Boden schützen?

Der Boden mit seinen zahlreichen Funktionen und Ökosystemdienstleitungen muss noch besser geschützt und nachhaltiger genutzt werden, damit auch künftige Generationen von gesundem Boden profitieren können.

Politik und Vereinte Nationen:
Die Agenda 2030 mit ihren 17 nachhaltigen Entwicklungszielen berücksichtigt mit dem Ziel 15 „Leben an Land“ unter anderem den Schutz des Bodens: „Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodenverschlechterung stoppen und umkehren und den Biodiversitätsverlust stoppen“. Allerdings geht keines der 9 Unterziele konkret auf das Thema Boden ein. Lediglich im Unterziel 15.3 findet der Boden Erwähnung im Nebensatz. Auch wenn der Schweizer Länderbericht zur Umsetzung der Agenda 2030 bereits an der UNO in New York präsentiert wurde, fehlen nach wie vor konkrete Massnahmen. Das Netzwerk SDSN Switzerland reagierte bereits im Juli 2018 mit dem Dokument „Stellschauben für eine nachhaltige Zukunft der Schweiz“, welches konkrete Handlungsempfehlungen für die Politik gibt.

Landwirtschaft:
Moderne, konventionelle Landwirtschaft, wie sie heute betrieben wird, ist in viele Fällen nicht nachhaltig. Der Einsatz von synthetischen Düngern und chemischen Pestiziden stört den natürlichen Nährstoffhaushalt des Bodens und bedroht die Biodiversität. Schwere Maschinen verdichten den Boden und zerstören den Lebensraum wichtiger Bodenorganismen. Die industrielle Tierhaltung benötigt riesige Mengen an Land zur Futterproduktion und verursacht einen Überschuss an organischem Dünger, welcher auf dem Boden „entsorgt“ wird. Das Vorantreiben nachhaltiger, ökologischer Landwirtschaftsmethoden könnte die Bodenverschlechterung verlangsamen und erodierte Böden wieder regenerieren. Hierzu zählen insbesondere agrarökologische Methoden mit ausgeklügelten und doch einfachen Mischkultur- und Agroforstsystemen, Permakultur, angepassten Fruchtfolgen mit ausgeglichenen Stoffkreisläufen u.v.m. Es müssen mehr Anreize geschaffen werden, damit Landwirtschaftsflächen nachhaltiger bewirtschaftet werden.

KonsumentInnen:
Für die Lebensmittelproduktion sind wir auf gesunde Böden angewiesen. Grundlage dafür ist eine Vielzahl verschiedener Lebewesen. Bei der biologischen Landwirtschaft wird der Boden schonend bearbeitet, um die Lebewesen und die Bodenstruktur nicht zu verletzten. Die Erosion wird dadurch minimiert, so dass die Nährstoffe im Boden bleiben und nicht ausgewaschen werden. Biobäuerinnen und -bauern setzen keine chemisch-synthetischen Dünger und Pflanzenschutzmittel ein. Wenn wir bei unserem täglichen Einkauf auf Bioprodukte setzen, tragen wir dazu bei, dass unsere Böden gesünder sind und es auch bleiben.
Eine Studie der University of Maryland, USA, aus dem Jahr 2017 zeigt, dass die Schweizer Bevölkerung für ihr derzeitiges Konsumverhalten nicht genug Land zur Verfügung hat. Um den Bedarf an Nahrungsmitteln zu decken, muss auf 45 – 50 % ausländische Flächen zurückgegriffen werden. Wir sollten verstärkt regional produzierte Lebensmittel, die gerade Saison haben, kaufen. So unterstützen wir die einheimischen ProduzentInnen und reduzieren Treibhausgasemissionen, da lange Transportwege wegfallen und weniger Fläche im Ausland benötigt wird.
Der Wert von gesunden Nahrungsmitteln sollte sich auch im Kaufverhalten wiederspiegeln. Ein Schweizer Haushalt gibt aber im Durchschnitt gerade noch rund 6 % des Einkommens für Nahrungsmittel aus. Billige Lebensmittel bedeuten einen hohen ökonomischen Druck auf das System Landwirtschaft und damit indirekt auch einen hohen Druck auf die Böden.
In unserem alltäglichen Leben können wir den Boden erhalten und schützen. Sie als Konsumentin oder Konsument bestimmen mit ihrem Kaufverhalten mit, dass eine nachhaltige Landwirtschaft in der Schweiz sich durchsetzen kann: saisonale und regionale Produkte, möglichst aus biologischem Anbau und auch öfters mal auf Fleisch verzichten.

HobbygärtnerInnen:
Ob im Schrebergarten, Hausgarten oder auf dem Balkon, jeder Pflanzenliebhaber kann beim Bodenschutz helfen. Biogärten tragen zur Erhaltung der Biodiversität an Land und im Boden bei. Die Kompostierung spielt in Hobbygärten eine wichtige Rolle, denn im Kompost werden Gemüse- und Früchtereste zu wertvollem, näherstoffreichem Humus umgewandelt, der dann dem Boden zugeführt werden kann. Auf torfhaltige Erde sollte verzichtet werden, denn diese wird aus Mooren, die ja bekanntlich viel CO2 speichern, gewonnen. Inzwischen existieren zahlreiche Ratgeber, Blogs und Dokus, die einem beim naturnahen, biologischen Gärtnern unterstützen.



Fazit

Unsere Gesellschaft ist abhängig von gesunden Böden, mehr als 90% unserer Lebensmittel wachsen auf ihnen. Wir, das sind etwa die Zivilgesellschaft, die Politik, die Industrie und die Landwirtschaft, besitzen Mittel und Wege, den Boden zu schützen und für künftige Generationen zu erhalten. Es muss noch mehr Aufklärungsarbeit rund um das Thema Bodenschutz geleistet werden und EntscheidungsträgerInnen in Politik und Industrie müssen endlich handeln und Massnahmen ergreifen. Es ist noch nicht zu spät, aber höchste Zeit der kostbaren Ressource Boden mehr Aufmerksamkeit und Schutz zu schenken.